Klimaanpassung in der Metropolregion Hamburg

Posted by: on Apr 23, 2014 | No Comments

In den letzten Wochen hat das IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change), häufig als Weltklimarat bezeichnet, die Ergebnisse seines fünften Sachstandsberichts vorgelegt. Dabei haben die drei verschiedenen Arbeitsgruppen (WG) einzelne Berichtsteile erstellt. Diese beschäftigen sich mit den wissenschaftlichen Grundlagen der Klimaänderung (WG I), mit Folgen, Anpassung und Verwundbarkeit (WG II) sowie mit dem Klimaschutz (WG III). Ziel aller Berichtsteile ist vor allem eine Zusammenstellung des vorhandenen Wissens. Außerdem wird die Stabilität der Ergebnisse diskutiert und eine Einordnung in den gesellschaftlichen Kontext vorgenommen. Im Resultat lässt sich festhalten, dass eine Existenz des Klimawandels kaum zu leugnen ist, auch wenn er zuletzt in der politischen Debatte immer weniger wahrgenommen wurde. Die fraglos vorhandenen Unsicherheiten über naturwissenschaftliche Zusammenhänge und über Konsequenzen des Klimawandels sprechen indes aber eher für weitere, vermehrt interdisziplinäre, Forschungsanstrengungen und rechtzeitiges, vorsorgendes Handeln als für ein Warten auf vermeintlich sicheres Wissen, das in seiner Reinform utopisch erscheint.

Art und Umfang des Handelns bedürfen genauer Untersuchung und Vorbereitung. Hier hat in den letzten fünf Jahren das Projekt KLIMZUG-NORD Grundlagen für die Metropolregion Hamburg gelegt. Es ist der Frage nachgegangen, wie die Anpassung an den Klimawandel in dieser Region in den kommenden Jahrzehnten aussehen sollte. Die Ergebnisse der gemeinsamen Anstrengung von Akteuren aus Wissenschaft und Praxis sind vor kurzem im Kursbuch Klimaanpassung veröffentlicht worden. Einige wichtige Aussagen sind:

Bis zum Ende des Jahrhunderts ist in der Metropolregion Hamburg eine Zunahme der Jahresmitteltemperatur um 1,9 bis 3,3°C zu erwarten. Der stärkste Anstieg dürfte im Winter stattfinden, aber auch die Zahl der Tage mit sehr hohen Temperaturen im Sommer wird sich erhöhen. Auch der durchschnittliche Jahresniederschlag wird mehr werden, wobei die stärksten Zunahmen im Herbst und Winter auftreten. Unter diesen Bedingungen sind sowohl Menschen als auch die Natur und viele Wirtschaftszweige vom Klimawandel betroffen. Allein deshalb sollte die Anpassung an den Klimawandel auf der Agenda der Klimapolitik einen höheren Stellenwert erhalten; zumal ihre Maßnahmem nicht nur regional umgesetzt werden sondern ihr Nutzen, im Gegensatz zu Klimaschutzmaßnahmen, auch vornehmlich dort spürbar ist. Die Umsetzung der Maßnahmen erfordert unterdessen eine gezielte Beteiligung der betroffenen Öffentlichkeit. Das Kursbuch stellt die vielfältigen Einzelmaßnahmen dar, die sich aus den Untersuchungen von KLIMZUG-NORD für die Metropolregion Hamburg ergeben haben.

In der Metropolregion Hamburg spielt das Element Wasser eine herausragende Rolle. In Zeiten des Klimawandels nimmt sein Bedrohungspotential durch häufigere und intensivere Starkniederschläge sowie durch einen steigenden Meeresspiegelanstieg, möglicherweise verbunden mit schwereren Sturmfluten, zu. Dies erfordert sowohl langfristige Strategien und Maßnahmen als auch kurzfristig einzelwirtschaftliche Aktionen von Staat, Haushalten und Unternehmen, die einem Kosten-Nutzen-Kalkül standhalten sollten. Beim Nutzen von Maßnahmen sind bei der Bewertung die indirekten Effekte vermiedener Verluste von großer Bedeutung. Diese bestehen bei Wirtschaftszweigen insbesondere darin, dass sie über Lieferbeziehungen häufig eng – auch regional – miteinander verflochten sind.

Die Landwirtschaft spielt in einigen Kreisen der Metropolregion Hamburg eine nicht zu unterschätzende Rolle, und zwar zum einen als Arbeitgeber und zum anderen als Lieferant und Abnehmer von Vorleistungen. Es zeigt sich, dass der Klimawandel für die Landwirtschaft künftig nur eine untergeordnete Rolle spielen dürfte. Wichtiger sind mittel- und langfristig die politischen Rahmenbedingungen, die auf europäischer und nationaler Ebene gesetzt werden. Gleichzeitig verbleibt aber ein Anpassungsbedarf im Hinblick auf die Verfügbarkeit von Wasser (vor allem zur Bewässerung), die Bodenqualität und das Auftreten von (neuen) Schädlingen. Eine Diversifikation der Einkommensquellen wird hier ein probates Gegenmittel darstellen. Aber auch andere Wirtschaftszweige werden sich auf den Klimawandel einstellen müssen. Dies gilt umso stärker, je mehr sie von Vorleistungen wie Wasser, Energie sowie Waren und Dienstleistungen abhängig sind. Zentrales Element einer unternehmerischen Anpassung an den Klimawandel wird damit die Information über die weiteren (regionalen) klimatischen Entwicklungen und deren Konsequenzen. Hierzu tragen letztlich auch die regelmäßigen Berichte des IPCC bei.