Energiesicherheit – Eine Illusion?

Posted by: on Jun 2, 2014 | No Comments

Im Zusammenhang mit der Ukrainekrise wurde verstärkt über die Sicherheit der Energieversorgung diskutiert. Hervorgehoben wird dabei immer wieder die Abhängigkeit Deutschlands vom russischen Gas. Tatsächlich ist die deutsche Abhängigkeit von Russland noch höher: Wir beziehen nicht nur Gas, sondern auch Öl. Bei Gas sind es 36 % unseres Gesamtverbrauchs und bei Öl sind es 38 %. Dabei kommen beide Rohstoffe über Pipelines aus Russland nach Deutschland und zwar weil es kostengünstiger ist als mit Schiffen. Auf den ersten Blick scheint es so, dass Öl aus Russland leichter zu ersetzen sei als Gas, da wir es auch über Tanker und  deshalb leichter aus anderen Ländern beziehen könnten. In diesem Zusammenhang wird häufig auf einen fehlenden Flüssiggasterminal in Deutschland hingewiesen. Es gibt aber Flüssiggasterminals in den Niederlanden, mit deren Gasnetz das deutsche gut verbunden ist. Da wir früher sehr viel mehr Gas aus den Niederlanden bezogen haben als heute, gibt es noch freie Kapazitäten.Insofern könnten wir sowohl Gas als auch Öl mit Lieferungen aus anderen Ländern ersetzen. Dies ist gegenüber anderen Ländern, die Öl und Gas aufgrund ihrer Leitung nur aus Russland beziehen können, ein deutlicher Vorteil. Entscheidend ist aber, dass Russland 19,1 % der Weltproduktion von Gas und 12,6 % der Weltproduktion von Öl übernimmt. Wenn die Lieferungen nach Deutschland ausfielen, wäre der Weltmarkt betroffen, und zwar erheblich.  Schon kleine Produktionsausfälle oder auch nur die Erwartungen solcher führen sofort zu erheblichen Preissteigerungen. Dass dies bisher nicht geschehen ist, zeigt, dass der Ausfall russischer Energielieferungen an den Märkten nicht erwartet wird. Angesichts der erheblichen Bedeutung von Energieexporten für die russische Wirtschaft und den russischen Staatshaushalt, ist ein Lieferstopp tatsächlich eher unwahrscheinlich.

Die Geschichte lehrt uns aber, dass von Zeit zu Zeit auch unwahrscheinliche Dinge geschehen. Insofern ist es wichtig zu fragen, ob etwas gegen die Abhängigkeit von Russland getan werden kann. Die Lieferungen aus dem Nahen Osten zu erhöhen, scheint keine gute Option, da hier andere, aber nicht geringere Risiken drohen.

Zwei Dinge würden helfen- Erstens: Energie einsparen und damit insgesamt weniger von Energie abhängig werden. Zweitens: Erneuerbare Energien schneller ausbauen und damit den Bedarf an fossilen Energierohstoffen vermindern. Beides hilft – aber beides versuchen wir ohnehin schon. Dabei sind dem Versuch Grenzen gesetzt. Den Einsparungen steht das Wachstum der Wirtschaft gegenüber. Wir verwenden Energie immer effizienter, aber unsere Industrieproduktion, unser Mobilitätsbedürfnis, unsere zu beheizenden Wohnflächen und die Größe der Fernseher steigen. All das führt dazu, dass trotz Effizienzsteigerungen der Energiebedarf nicht so schnell zurückgeht. Die erneuerbaren Energien haben wir in den letzten Jahren stark gefördert mit dem Ergebnis eines extrem schnellen Ausbaus. Und jetzt wissen wir nicht so recht wohin damit; die erneuerbaren Energien schwanken und können nicht gespeichert werden. Außerdem fallen sie nicht dort an, wo wir sie brauchen und wir können sie nicht gut transportieren. Es wird sicherlich Lösungen für Speicher und verbesserte Netzte geben, aber das braucht Zeit. Insofern ist es richtig, den Ausbau langsamer zu gestalten.

Was müssen wir also tun, um unsere Abhängigkeit von russischer Energie zu vermindern? Wir müssen die Energieförderung an anderen Stellen intensivieren. Dazu gehört die Förderung in der Tiefsee und im Eismeer sowie vielleicht auch in Deutschland bis hin zu neuen Verfahren wie Fracking. All das ist auch nicht ohne Risiken. Es gilt also zu entscheiden, welche Risiken eingegangen werden, denn ohne Risiken geht es nicht.