Geuro statt Grexit: Eine Parallelwährung für Griechenland

Posted by: on Mai 12, 2015 | No Comments

Die Diskussion um Griechenland nimmt kein Ende. Eine echte Lösung ist nicht absehbar. Und doch wäre ein plötzlicher und insoweit überraschender Exit Griechenlands aus dem Euro, wie es Finanzminister Schäuble unlängst andeutete, die schlechteste aller Möglichkeiten. Ein Schuldenschnitt mit Verbleib im Euro ist dagegen nach Lage der Dinge nicht durchsetzbar, auch wenn es die ökonomisch und politisch vernünftigste Lösung wäre. Bleibt nur die seit einiger Zeit ins Spiel gebrachte Parallelwährung. Doch was ist das und was bringt sie? Griechenland kann die Schulden in Euro kaum noch bedienen. Um die Zahlungsfähigkeit gegenüber den eigenen Bürgern und den internen Zahlungsverkehr zu gewährleisten, wird eine zweite Währung eingeführt, in der Griechenland anders als beim Euro selbst Liquidität schaffen kann. Eines der großen Probleme des Euro wird dadurch gelöst: Bislang hat sich Griechenland in einer Währung verschuldet, die sie selbst nicht schaffen kann, sondern nur die Europäische Zentralbank im fernen Frankfurt. Die übermäßige Verschuldung eines Landes im Euro-Währungsverbund aber ist dazu angetan, eine Währungskrise in allen anderen Mitgliedsländern auszulösen. Dieser institutionelle Defekt erzeugt gleichermaßen Moral Hazard und systemisches Risiko und destabilisiert so die Währungsunion. Abhilfe kann eine politische Fiskalunion schaffen, die zentrale Kompetenzen nach Brüssel verlagert, um Haushaltsdisziplin durchzusetzen. Eine solche politische Union als notwendige Ergänzung der Währungsunion aber ist in weiter Ferne und auf Jahre hinaus unrealistisch. Insofern ist eine Parallelwährung das zwar nur zweitbeste, aber zumindest ein durchsetzbares Instrument. Der Euro wäre in der Eurozone weiter gesetzliches Zahlungsmittel. Aber eine daneben existierende nationale Parallelwährung schafft die permanente Option eines (temporären) Austritts. Selbst ein schneller Austritt wäre technisch kein Problem und die Märkte wären nicht überrascht. Auch eine Ansteckung anderer Länder wäre nicht zu befürchten. Der virtuelle Wechselkurs fungierte als Gradmesser für den Erfolg nationaler Wirtschaftspolitik und würde das Moral Hazard Problem lösen. Eine Parallelwährung wäre indes nicht nur auf Griechenland anwendbar, sondern mit einem System von Parallelwährungen auch auf alle anderen Mitgliedsländer. Auch eine Art Currency Board wäre denkbar, in dem die Höhe der externen Verschuldung in Euro begrenzt ist, in der eigenen Parallelwährung jedoch nicht. Ein modernes Geld- und Kreditsystem im Sinne von Schuldgeld erfordert nicht, wie manchmal behauptet, notwendig Wachstum für Schulden. Aber umgekehrt erfordert Wachstum die Vorfinanzierung durch Verschuldung in einer Ökonomie mit fiat money. Aber es kommt gelegentlich zu der Situation, dass die Wachstumserwartungen ein Maß an Verschuldung erzeugen, das durch das tatsächliche Wachstum ex post nicht gerechtfertigt ist. Die Folge ist eine Krise. Mit einem System von Parallelwährungen aber hätte die Eurozone nach außen ein stabiles Vermögensgeld, das weitgehend autonomer Geldpolitik mit flexiblem Wechselkurs für einen einheitlichen Währungsraum unterliegt, und ein internes Schuldgeld, das als nationale Parallelwährung diente.

Director’s Cut:
Ein System von Parallelwährungen in der Eurozone wäre institutionell sicherlich ein Schritt zurück auf dem Weg der wirtschaftlichen und monetären Integration. Aber angesichts der politischen Risiken, die europäische Integration historisch und moralisch zu beschädigen, womöglich die bessere Option. Wenn die politische Integration sich nicht beschleunigen lässt, muss die monetäre gebremst werden. Ein Spagat zwischen Beidem, wie er seit Monaten versucht wird, ist aber ohne dauerhafte Beschädigung der Institutionen nicht durchzuhalten.