Die Krise schlägt zurück

Posted by: on Aug 17, 2015 | No Comments

Die Weltwirtschaft zeigt sich unverändert fragil, die Hoffnungen der Krisenpolitik bleiben unerfüllt. Nach Griechenland hält nun China die Weltwirtschaft in Atem. Handelt es sich lediglich um notwendige Marktkorrekturen, um eine natürliche Anpassung der Erwartungen, die sich spekulativ und krisenhaft zuspitzen kann – oder platzt eine Blase, die über Jahre aufgeblasen worden ist?

Die globale Finanzkrise von 2008/09 war das Resultat von Ungleichgewichten, die sich über Jahre durch überoptimistische Erwartungen aufgebaut hatten – unterstützt von billigem Geld der Zentralbanken. Eine Überinvestitionskrise nach Österreichischer Provenienz wurde anschließend durch nachfrageorientierte keynesianische Medizin versucht zu kurieren. Statt realer Marktbereinigung wurde zur kurzfristigen Stabilisierung der Märkte die Illusion genährt, man könne die Rentabilität der Überinvestitionen durch Stützung der Vermögenspreise einfach wiederherstellen. Dies ist nichts anderes als der Versuch, eine geplatzte Blase wieder aufzublasen.

Interessanterweise war der Reflex und vielleicht sogar die Intention der Krisenpolitik, zum Vorkrisenzustand zurückzukehren. Nun sehen wir, dass der US-Dollar aufwertet statt abzuwerten, um das hohe Leistungsbilanzdefizit und die US-Auslandsverschuldung abzubauen. Die Chinesen werten nicht etwa auf, um ihren Exportüberschuss und ihre Devisenreserven abzubauen. Kurzum: Die Weltwirtschaft hat die Krise kurzfristig eingedämmt, indem sie notwendige Korrekturen und Marktbereinigungen einfach noch weiter in die Zukunft verschoben hat. Wie konnten die Märkte davon überzeugt werden, dass dies auch tatsächlich geht? Die Zentralbanken haben schlicht dieses Versprechen abgegeben. Aber ist das wirklich so einfach? Nein. Nun sehen wir, dass die Krise zurückschlägt und die Krisenpolitik vor einem Scherbenhaufen steht. Zeit ist gekauft worden mit Geld, das so reichlich war, dass Zeit keinen Preis mehr hatte.

So richtig es war, die Weltwirtschaft nach Lehman 2008 vor einem globalen Kollaps zu bewahren. Geldpolitik ist nicht omnipotent. Sie kann aus falschen Investitionen keine richtigen machen, sie kann aus Ungleichgewichten kein Gleichgewicht formen. Es ist zu wenig geschehen, um Reformen durchzuführen, Märkte zu regulieren und Risiken abzubauen. Nun droht, da die expansiven Mittel der Geld- und Fiskalpolitik verbraucht sind, der Welt eine neuerliche Krise. Dieses Mal gibt es keinen Aufschub und auch keine Schmerzmittel mehr für einen umfassenden Gesundungsprozess der Weltwirtschaft. In den nächsten Monaten wird es verstärkt darum gehen müssen, die realwirtschaftlichen Grundlagen für mehr Wachstum zu legen.